Alfred Wegener (1880 - 1930)

Alfred Wegener
Alfred Wegener

Alfred Wegener wurde 1880 in Berlin geboren. Seine Eltern kauften 1886 ein Gutshaus, das der Familie später als Wohnhaus diente. Die ländliche Umgebung weckte wohl Wegeners Interesse an den Naturwissenschaften. Nach dem Abitur studierte er Physik, Astronomie und Meteorologie in Berlin, Heidelberg und Innsbruck. Bereits während des Studiums arbeitete er als Assistent an der Volkssternwarte in Berlin und so ist es nicht verwunderlich, dass er seine Doktorarbeit in Astronomie schrieb. Sein Interesse galt nach der Promotion aber vor allem der Meteorologie und ab 1905 arbeitete Alfred Wegener als Assistent am Aeronautischen Observatorium Lindenberg.
Im Jahr 1906 nahm Wegener erstmals an einer Grönland-Expedition teil. Sie wurde vom Dänen Ludvig Erichsen geleitet und Ziel der Expedition war die Erforschung der noch weitgehend unbekannten Nordostküste Grönlands. Nach der Rückkehr von der Grönlandreise im Jahr 1908 arbeitete Alfred Wegener zunächst als Privatdozent für Meteorologie in Marburg. Die Jahre in Marburg waren mit die produktivsten, Wegener verfasste zahlreiche Bücher und Fachaufsätze. Aus heutiger Sicht bahnbrechend war seine 1912 erstmals vorgestellte Theorie der Kontinentalverscheibung.
Noch vor seiner Hochzeit mit Else Köppen nahm der Forscher an einer weiteren Grönlandreise teil. Sie stand unter keinem guten Stern, denn schon bevor der geplante Aufstieg auf das Inlandeis begonnen hatte, brach sich der dänische Expeditionsleiter ein Bein. Die Expeditionsmannschaft überwinterte als erste auf dem grönländischen Eis, es wurden zahlreiche Eisbohrungen und meteorologische Messungen unternommen. Im Sommer 1913 erfolgte dann die Überquerung des Eisschildes, wobei die Expedition eine doppelt so lange Strecke zurücklegte, wie Fridtjof Nansen im Jahr 1888. Nur mit knapper Not entging die Expedition einer Katastrophe, denn kurz vor erreichen der westgrönländischen Küste gingen die Nahrungsmittel aus und erst im letzten Moment wurden die Männer vom Pastor von Upernavik gefunden, der zu einer kleinen Siedlung unterwegs war.
Im ersten Weltkrieg wurde der Reserveroffizier Wegener an der Westfront zweimal verwundet und danach untauglich geschrieben. Sein neuer Einsatzbereich war der Heereswetterdienst. Trotz der langen Reisen zu zahlreichen Wetterstationen schrieb Alfred Wegener in dieser Zeit sein Hauptwerk zur Entstehung der Kontinente und Meere. Nach dem Krieg erfolgte ein Umzug nach Hamburg, wo er 1921 zum Professor berufen wurde. Ein erneuter Umzug führte die Familie nach Graz, dort erhielt Wegener eine ordentliche Professur für Meteorologie und Geophysik. Trotz mehrer Auflagen seines Buches war die Theorie der Kontinentalverschiebung auch 1926 noch nicht von der Fachwelt anerkannt.
Im Jahr 1929 reiste Alfred Wegener erneut nach Grönland. Im Rahmen einer Vorbereitungsexpedition sollten u.a. die neuen Propellerschlitten getestet werden, die bei der Hauptexpedtion 1930 zum Einsatz kommen sollten. Die Hauptexpedition konnte im Jahr 1930 erst mit einer Verzögerung von fast 40 Tagen gegenüber der Planung gestartet werden. Schuld waren die Eisverhältnisse in Westgrönland. Ziel der Expedition war der Aufbau von drei Messstationen an der Westküste, in der Mitte des Eisschildes und an der Ostküste Grönlands. Bei der Rückkehr von der Station "Eismitte" kam Wegener vermutlich am 16. November 1930 ums Leben, man vermutet Herzversagen aufgrund von Überanstrengung. Im Mai 1931 fand man seine sorgfältig in einem Eisgrab bestattete Leiche, sein Begleiter und Wegeners Tagebuch blieben bis heute verschollen.
Dies Tradition der Polarforschung und nicht zuletzt Wegeners Vielseitigkeit setzt das 1980 gegründete Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung (später Polar- und Meeresforschung) in Bremerhaven fort. Die im gleichen Jahr ins Leben gerufene Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften ist ebenfalls nach ihm benannt.